Sep 30

Die Photovoltaik-Branche ist den Kinderschuhen entwachsen und durchläuft nun einen Anpassungsprozess, bei dem Qualitätsaspekte zunehmend wichtiger werden. In diesem Punkt waren sich die Teilnehmer des Workshops „Quality for Photovoltaics 2011 – The key driver for sustainable growth“, der gestern in Berlin stattfand, einig. Neben dem Hauptaspekt, der Energiegewinnung, lassen sich Photovoltaik-Anlagen hauptsächlich über ihren Zusatznutzen verkaufen. Dazu gehört besonders die Qualität des Produkts.

Andere Fragestellungen wurden von den 150 Teilnehmenden kontrovers diskutiert. So wünschten sich Banken und Investoren von Herstellern, Händlern und Planern proaktiveres Handeln bei der Entwicklung von Standards zur Qualitätssicherung. Nur so könne das Vertrauen der Kunden erhöht werden. Händler und Hersteller wiederum sehen auch die Finanzinstitute in der Pflicht – zumindest wenn es darum geht, ihre eigenen Vorstellungen bezüglich von Standards transparenter zu machen. „Was ist Banken die Qualität von Solaranlagen wert?“ fasste ein Plenumsteilnehmer die Frage zusammen, die vielen Herstellern unter den Nägeln brannte. Qualität müsse sich lohnen und auch im Verkaufspreis abbilden lassen. Podiumsteilnehmer Christian Marcks von der GLS Gemeinschaftsbank eG ermutigte die Hersteller, ihre Chance zu nutzen, sich durch die Festlegung von Standards von Konkurrenten abzuheben.

Karl-Heinz Remmers, Vorstandsvorsitzender des Workshop-Veranstalters Solarpraxis AG sprach in seinem Einführungsvortrag das Thema an, dass noch oft an diesem Tag genannt werden sollte: Die Thematik einer stürmischen technischen Entwicklung verbunden mit möglicherweise erheblichen Qualitätsrisiken. „Wir sehen erst die Spitze des Eisbergs. Viele Serienschäden werden erst später herauskommen und große Kosten verursachen. Darum ist es umso wichtiger, dass wir uns jetzt mit dem Thema Qualitätsmanagement auseinandersetzen“, erklärte er. Wie u. a. in dem Vortrag „Lessons Learned: was kann die Photovoltaik-Branche von der klassischen Industrie lernen?“ geäußert wurde, kann die verhältnismäßig junge Solarbranche in Sachen Qualitätsmanagement jedoch viel von anderen Industrien lernen, die diese Entwicklung bereits hinter sich haben.

In dem Themenblock „Qualitätssicherung in der Praxis“ prognostizierte Referent Willi Vaaßen vom TÜV Rheinland, dass der Entwicklungstrend in Richtung anwendungsbezogener Photovoltaik gehen wird. Aufgrund des hohen Kostendrucks könne es in Zukunft nicht mehr sein, dass Ertragspotenziale durch die Verwendung gleicher Module z. B. in Schneeregionen wie in der Wüste nicht erschlossen würden.

Genauer unter die Lupe genommen wurden Tests und Zertifizierungen in der Diskussionsrunde „Modulqualität von der Herstellung bis zur Baustelle“. Diese würden von Kunden verstärkt nachgefragt, was zu einem Boom an Testlaboren und Zertifizierern geführt habe. Die regelrechte „Zertiverzierung“ führe auf der anderen Seite jedoch zu einer Verunsicherung der Kunden, die bei der Vielzahl an Angeboten den Überblick verlieren würden. Ziel müsse auch hier eine größere Transparenz sein. Gestellt wurde außerdem die provokante Frage, dass zwar viele Tests gemacht würden, aber nicht klar sei, ob dies auch die richtigen Tests seien.

Der ausgebuchte Workshop und die angeregten Diskussionen zeigten, dass das Thema Qualität in der Photovoltaikbranche einen Nerv getroffen hat, das Hersteller, Händler, Banken, Versicherer und Zertifizierer gleichermaßen bewegt. Der im nächsten Jahr stattfindende Anschluss-Workshop wird zeigen, welche Fortschritte bis dahin erzielt worden sind.

Quelle: Solarpraxis AG

Über den Autor Robert

Robert ist Online-Redakteur für phovo.de - dem Blog für eine solare Zukunft.

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